29. September 2025

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Neuer Tarifabschluss in der Zeitarbeit: Drei Lohnerhöhungen bis 2027

Nach inten­siv­en Ver­hand­lun­gen haben sich die arbeit­ge­ber­seit­ige Ver­hand­lungs­ge­mein­schaft Zeitar­beit (VGZ) im Gesamtver­band der Per­sonal­dien­stleis­ter (GVP) und die Tar­ifge­mein­schaft des Deutschen Gew­erkschafts­bunds (DGB) am 12. Sep­tem­ber 2025 auf einen neuen Ent­gelt­tar­ifver­trag geeinigt. Der Abschluss bringt ein­er­seits spür­bare Lohn­er­höhun­gen für die Beschäftigten, ander­er­seits durch seine län­gere Laufzeit auch Pla­nungssicher­heit für die Unternehmen.

Die Eckpunkte des neuen Tarifvertrags

Der Ent­gelt­tar­ifver­trag tritt zum 1. Okto­ber 2025 in Kraft und läuft bis zum 30. Sep­tem­ber 2027, also ins­ge­samt 24 Monate. Er sieht drei aufeinan­der­fol­gende Ent­gel­ter­höhun­gen vor:

  • zum 1. Jan­u­ar 2026: + 2,99 %
  • zum 1. Sep­tem­ber 2026: + 2,5 %
  • zum 1. April 2027: + 3,5 %

Für das let­zte Quar­tal des Jahres 2025 bleiben die Ent­gelte unverän­dert. Damit steigen die Löhne bis Ende der Laufzeit kumuliert um fast 9 %.

Die Arbeit­ge­ber­seite betonte, dass das Ergeb­nis „bis an die Schmerz­gren­ze“ gehe. „Drei weit­ere Erhöhungss­chritte in kurz­er Abfolge bedeuten für die Betriebe eine enorme Belas­tung. Nach Jahren mas­siv­er Koste­naufwüchse, ein­er spür­bar gesunke­nen Nach­frage und einem deut­lichen Beschäf­ti­gungsrück­gang in der Branche kön­nen wir keine neue Kosten­welle zum Jahre­sende schul­tern“, erk­lärte VGZ-Ver­hand­lungs­führer Sven Kramer (Quelle: GVP, Pressemit­teilung vom 12. Sep­tem­ber 2025).

Sein Stel­lvertreter Sven Schwu­chow bew­ertete den Abschluss hinge­gen als gelun­genen Kom­pro­miss: „Das Ergeb­nis ist fair und halt­bar: drei Stufen, klare Per­spek­tive, lange Ruhe. Eine mod­er­ate, dreistu­fige Anpas­sung der Ent­gelte und eine län­gere Laufzeit bis Sep­tem­ber 2027 geben den Unternehmen Ver­lässlichkeit und Pla­nungssicher­heit – und Beschäftigten eine spür­bare Entwick­lung.“ (Quelle: GVP, ebd.).

Die Ausgangsforderungen der Gewerkschaften

Die Gew­erkschaften waren mit deut­lich höheren Forderun­gen in die Tar­ifrunde 2025 ges­tartet. Die DGB-Tar­ifge­mein­schaft hat­te zum 30. Sep­tem­ber 2025 die beste­hen­den Ent­gelt­tar­ifverträge gekündigt und am 22. August ihre Posi­tion in der ersten Ver­hand­lungsrunde bekräftigt: 7,5 % mehr Lohn in allen Ent­gelt­grup­pen, Laufzeit zwölf Monate, Beginn 1. Okto­ber 2025 (Quelle: IG Met­all, Tar­ifin­fo vom 22. August 2025).

Hin­ter­grund dieser Forderung war vor allem die Entwick­lung des geset­zlichen Min­dest­lohns. Dieser steigt zum 1. Jan­u­ar 2026 auf 13,90 Euro und zum 1. Jan­u­ar 2027 weit­er auf 14,60 Euro. Aus Sicht der Gew­erkschaften musste der bish­erige Abstand zwis­chen dem Min­dest­lohn und den Ent­gelt­ta­bellen in der Zeitar­beit gewahrt bleiben, um eine Entwer­tung der unteren Ent­gelt­grup­pen zu ver­hin­dern. „Durch die bevorste­hende Anhebung des geset­zlichen Min­dest­lohns müssen auch die Ent­gelte in der Zeitar­beit steigen“, argu­men­tierte die IG Met­all (Quelle: IG Met­all, Tar­ifrunde Zeitar­beit 2025).

AMETHYST- Kommentar:

Das nun erzielte Ergeb­nis liegt spür­bar unter der ursprünglichen Gew­erkschafts­forderung, aber eben­so deut­lich über dem ersten Arbeit­ge­berange­bot. Während die DGB-Gew­erkschaften 7,5 % bin­nen zwölf Monat­en forderten und die Arbeit­ge­ber lediglich 1,5 % nach mehr als einem hal­ben Jahr anbi­eten woll­ten, sieht der Kom­pro­miss nun zwar fast 9 % vor, allerd­ings verteilt auf 24 Monate.

Trotz der Lohn­er­höhun­gen gewin­nen Unternehmen durch den späteren Ein­stieg, die stufen­weise Erhöhung und die lange Laufzeit mehr Pla­nungssicher­heit. Wir denken, dass mehr aktuell nicht „drin“ war und dass das Ergeb­nis deut­lich schlim­mer hätte aus­fall­en kön­nen. An der Front der Löhne ist nun Ruhe, sodass die Branche Pla­nungssicher­heit hat.

JH